Männer und Frauen – nicht füreinander geschaffen
Ob in Romanen oder Hollywood Filmen, im seichten Nachmittagsprogramm der TV Sender oder in den Soaps gegen Abend – und natürlich auch im echten Leben: Der lebenslange Konflikt der Geschlechter ist der Hauptinhalt des Lebens, sofern es nicht gerade um finanzielles geht. Ob es eine Bundeskanzlerin, die Direktorin einer Bank oder die Hausfrau daheim ist: Jede Frau wird mit ganz anderen Augen gesehen, für ihr Tun auf völlig andere Weise bewertet, als es ein Mann jemals über sich ergehen lassen müsste. Niemand urteilte jemals über Gerhard Schröders Anzüge, als er noch Kanzler war – das Aussehen der Angela Merkel, von Frisur bis Anzug, von Schmuck und Dekolletee zum Abendkleid bis Make-up füllte die Gazetten und tut es noch.
Kommunikation: Zwei verschiedene Sprachen bei Mann und Frau?
Der Comedian Mario Barth hat sich das Thema Männer und Frauen sozusagen auf den Leib geschrieben: Sein Bühnenprogramm ist der beste Beweis dafür, dass die beiden Geschlechter nicht miteinander reden können, ohne dass es dabei zu Missverständnissen kommt. Ein eigenes Wörterbuch soll die Lücke nach seiner Ansicht schließen – die ultimative Lösung scheint aber auch das nicht zu sein. Sagt die Frau, Verlobte oder Lebensgefährtin, sie wünscht sich nichts zum Geburtstag, will sie in Wirklichkeit verwöhnt, überrascht werden. Doch das würde sie niemals so deutlich auch sagen. Dem Mann fehlt das Verständnis, zwischen den Zeilen lesen zu können – zumindest meistens. Statt der tollen Schuhe, auf die seine Lebenspartnerin bei jedem Stadtbummel gezeigt hat, die sie auf einer Online Shop Seite vergrößert, dann aber „vergessen“ hat, das Fenster des Browsers zu schließen, gibt es ein Haushaltsgerät, ein Abendessen beim Italiener – dabei mag sie weder Pizza noch Pasta, noch findet sie den neuen Mixer sonderlich spannend.
Der Mann meint es gut, versteht aber nie die eindeutigen und häufig angebrachten Hinweise der Damen, die dann entsprechend enttäuscht sind. Immerhin haben sie mit der 25. Krawatte oder ähnlichen Geschenken den Nerv ihres Liebsten genau getroffen – oder der Mann hat wieder einmal einfach nichts gesagt. Selbst die Lederhose, die er sich gar nicht gewünscht hat, nimmt er mit freundlichen Floskeln entgegen – er zieht sie sogar an, nur dass die Herzensdame nicht etwa in ihr bekanntes Meckern verfällt. Abseits der Bühnenshows der Komiker gibt es Abertausend Sketche, Karikaturen und Witze, die genau dieses Thema behandeln: Missverständnisse in einer Beziehung, die einfach dadurch entstehen, dass zwar Worte gesprochen werden, diese aber einen tieferen Sinn haben, den der Partner nicht versteht beziehungsweise nicht verstehen will – oder er einfach nicht hinhört.
Was Mann kann und Frau nicht versteht
Frauen können nicht Autofahren, geschweige denn einparken, Männer können nicht kochen, verstehen nichts von Dekoration und Einrichtung. Allein dieser eine Satz ist gespickt von Vorurteilen, alten Klischees, die keinerlei Gültigkeit haben – wenn nicht die Menschen wären, die genau diese Vorurteile durch ihr Tun bestätigen. Ist es geschickte Berichterstattung, die es besonders betont, dass es eine Hausfrau mittleren Alters war, die beim Ausparken aus der Parkhauslücke den Vorwärtsgang und den Rückwärtsgang miteinander verwechselt hat und durch die Absperrung raste? Passiert dies nicht auch Männern? Sie haben ohnehin eine besondere Affinität zu ihren Autos, aber auch zu ihrem Fahrstil. Doch soll es tatsächlich Fahrerinnen geben, die in Sachen Punktekonto in Flensburg, Rubrik Geschwindigkeitsüberschreitungen, durchaus mit den Männern mithalten können. Der Unterschied: Am Stammtisch ist das bei Männern cool, die Frauen können keine Schilder lesen.
Kindererziehung ist Frauensache. Der Papa kommt von der Arbeit nach Hause, entscheidet über Dinge, die zu tun und zu lassen sind, will aber – außer bei Referaten, in denen er (sich selbst) fachlich kompetent erscheint, nichts mit Schule und Hausaufgaben zu tun haben. Er kümmert sich um Bankgeschäfte, die Versicherungen und alles Wichtige – die Frau hat für das Essen auf dem Tisch und einen reibungslos funktionierenden Haushalt zu sorgen. War das in den 50er Jahren in Deutschland noch Alltag in den meisten Familien, hat sich das Bild heute gewandelt. Die Frauen sind karrierebewusst und erfolgsorientiert, gehen für ein kleineres Gehalt der gleichen Arbeit nach und bekommen trotzdem Kinder – der Mann sieht sich jedoch mittlerweile auch in der Lage, das Elterngeld zu beziehen und den Nachwuchs die erste Zeit zu betreuen. Wieder zurück zum Stammtisch: Ein Vater, der Elterngeld als Einkommen nennt, braucht sich unter echten Kerlen nicht blicken zu lassen; die meisten würden es nicht verstehen, dass er sich mit Windeln und Schnuller beschäftigt, während die Frau die Brötchen verdient.
Männerberufe, Frauenberufe!
Es gibt heute noch Ansichten darüber, was ein Mann arbeiten muss und was eine Frau für Jobs annehmen darf. Sofort wird über „Emanze“ und „Mannweib“ diskutiert, wenn sich eine Frau in einer Männerdomäne durchsetzen kann. So wie heute noch die weiblichen Teilnehmer an Grillfesten die Vorbereitungen treffen und abspülen, während die Männer wie selbstverständlich den Gasgrill beherrschen, gibt es auch fest gemauerte Prinzipien, welche Berufe welchem Geschlecht angehören.
In ländlichen Gegenden wird Wert darauf gelegt, dass die Männer eine Berufsausbildung machen, wenn sie nicht einen väterlichen landwirtschaftlichen Betrieb übernehmen. Viele Mädchen an den Schulen stehen absolut nicht unter Leistungsdruck, da sie ja ohnehin einmal heiraten und Kinder kriegen werden – wozu braucht es dann einen guten Beruf? Für diese Ziele der konservativen, verstaubten Welt reicht der Hauptschulabschluss, der es ermöglicht, beim Einkaufen einen Überschlag hinzubekommen und im Kochbuch die Mengenangaben der Rezepte lesen zu können. Schon in der Auswahl an Spielzeug und Kinderliteratur wird es deutlich: Die Jungs bekommen Abenteuerbücher, Autospiele für die Konsole und Ritterrüstungen. Interessiert sich ein Mädchen für diese Spielsachen, ist sie ein Wildfang, nicht typisch Mädchen und damit schon fast nicht „normal“. Äußert sie aufgrund eines vom Bruder ausgeliehenen Buches den Wunsch, Privatdetektivin zu werden, wird lächelnd abgewunken.
Sicher hat auch in den stadtfernen Regionen der Fortschritt Einzug gehalten und geht man langsam von den alten Traditionen, die gerade die Frau als Heimchen am Herd betreffen, weg. Doch gerade hier muss sich manches Mädchen den Weg auf das Gymnasium noch erkämpfen, vor allem, wenn das Elternhaus ein Bauernhof ist. Der Bub darf mit dem Vater aufs Feld, die großen Maschinen lenken. Das Mädel hilft bei der Gartenarbeit, der Wäsche und in der Küche – elektrische Geräte interessieren nur in Form von Dunstabzugshauben, Ofen und Spülmaschine.
Berufswünsche Jugendlicher gestalten sich nach ihrer Erziehung. Es wird sich kein Mädel für eine Karriere als Managerin begeistern, die von Kindesbeinen an auf die Mutterrolle vorbereitet wird. Automechaniker, Lackierer, Sanitärfachmann, der sich auch mit der Installation von Whirlpools auskennt – ja selbst die IT Branche: All das scheinen bis heute Männerdomänen zu sein, in der es für Frauen sehr schwer ist, wirklich Erfolge zu verbuchen. Mancher Chef aus den genannten Branchen will sich gar nicht mit dem Thema „weibliche Auszubildende“ auseinandersetzen, da er keine eigene Umkleidekabinen hat – und andere Probleme, wie Mobbing, eine Liaison und Eifersucht am Arbeitsplatz und so weiter, gar nicht erst auf seiner Liste stehen haben will. Eine Frau, die in diesen Berufen zu etwas kommen will, muss besser sein, als ihre männlichen Kollegen, muss einen festen Charakter haben und sich durchsetzen und behaupten können.
Männer und Frauen: Ihre Hobbys und Interessen
Schon in der Freizeitgestaltung gibt es Differenzen, die zusätzlich zu den kommunikativen Problemen das Verhältnis zwischen Mann und Frau belasten. Zurück zum Klischee: Der Mann sitzt auf dem Sofa, unbehelligt vom Staub im Wohnzimmerschrank, von den ungemachten Betten und den Flecken auf den Fliesen. Die Frau – stilecht mit Schürze – spült das Geschirr, bügelt die Wäsche und stört dabei den Mann beim Ansehen seiner Sportsendung. Dieses Bild wurde so oft in Sketchen verwendet, dass es kaum aufzählbar ist. Dennoch finden es Männlein und Weiblein heute noch lustig – je mehr die Frau aus der Haushaltsecke hervorkommt, umso interessanter, witziger wird das Thema.
Warum soll eine Frau nicht ebenfalls Interesse an Fußball haben? Kauft die Dame am Kiosk eine Autozeitschrift, gehen Verkäufer und Beobachter automatisch davon aus, dass sie für ihren Partner einkauft – auf die Idee, dass sie selbst Interesse an Tuning oder Autotechnik haben könnte, kommt kaum jemand. Sich für den Computer, die Spiele, das Bloggen oder das Chatten interessieren ist nicht frauentypisch? Darf denn die Frau von heute das Internet nur für ein paar Online Einkäufe und das Suchen nach neuen Kochrezepten verwenden? Man könnte meinen, die Emanzipation sei nicht nur eine theoretische Angelegenheit, sondern auch wirklich umgesetzt – wenigstens von jenen Frauen, die das auch wirklich wollen. Doch letztendlich muss sich jedes weibliche Wesen in der zivilisierten Welt immer wieder mit Debatten auseinandersetzen, warum sie ihre Frauenrolle so schmählich verletzt und sich wie ein Mann benimmt, sofern sie die Selbstverwirklichung ihrer eigenen Ziele wirklich in die Tat umsetzt und sich zum Beispiel gegen ein Leben als Mutter und Ehefrau entscheidet.
Es ist längst nicht mehr so, dass Frauen nur noch als Verkäuferin oder in der Gastronomie arbeiten – sich eben frauentypische Berufe aussuchen. Doch die Akzeptanz dieser Tatsache bleibt nach wie vor auf der Strecke. Der Mann muss – so steht es geschrieben – ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen. Wo aber sind die Anforderungen, die an die Frau gestellt werden? Die Frau als Besitzerin einer Immobilie – ein Wunschdenken?
Im Fazit bedeutet dies wohl, dass Männer und Frauen eigentlich nicht miteinander auskommen, nicht zusammen leben können. Gut, dass auch Toleranz, Verständnis und vor allem eine gehörige Portion Ironie zum Leben gehören. Wer weiß, ob die Menschheit nicht längst ausgestorben wäre, wenn auf den Seiten beider Geschlechter nicht so viel hingenommen würde – bei den Männern das Gemecker, die Extravaganzen und Kapriolen der Frauen, bei den Frauen das Macho Gehabe ihres geliebten Paschas, hinter dessen rauer Fassade doch so ein weicher Kern steckt.